Schließen
Kostenfreie Anzeige selbst schalten Wir schalten Ihre Anzeige
Written by: Marcel Kanz in 5. März 2019

Gleich vorneweg: dies wird keine wissenschaftliche Abhandlung über Inhaltsstoffe, Energiewerte oder sonstige klugen Erkenntnisse über verschiedene Futtermittel. Nein, es ist einfach ein Bericht aus meiner über 25jährigen Erfahrung in der Pferdehaltung und -fütterung.

Das A und O -> Heu

Das wichtigste und absolut unersetzliche Futter für Pferde ist Heu! Da führt kein Weg dran vorbei. Es gibt absolut nichts, was eine ausreichende Fütterung mit gutem Heu ersetzt.

Da Pferde von Natur aus Dauerfresser sind sollte Heu von bester Qualität im Idealfall immer zur Verfügung stehen, aber mindestens 10 bis 12 kg pro Tag und Pferd sind ein Muß. Die früher gebräuchliche Formel von 1 kg Heu pro 100 kg Lebendgewicht sollte inzwischen überholt sein. Das würde für ein normal schweres Warmblut zwischen 6 und 7 kg Heu pro Tag bedeuten. Da atmet der Zosse einmal tief ein und es ist weg! Pferde, die zur Rundlichkeit neigen können ihre Heuration auch in einem mittel-kleinmaschigen Heunetz erhalten, dann haben sie länger zu tun und man kann die Ration etwas kürzen. Wichtig ist, daß die Pferde lange Zeit fressen können und keine längeren Fresspausen entstehen. Die Magensäure wird durch den beim Kauen entstehenden Speichel gepuffert, was überaus wichtig für die Vermeidung von Magenproblemen ist. Sehr viele Pferde, vor allem unter Streß stehende Sportpferde, leiden heute unter säurebedingten Magenproblemen, bis hin zum schmerzhaften Magengeschwür. Der Markt bietet inzwischen alle erdenklichen Zusatzfuttermittel, die diesem Problem Rechnung tragen, aber das wichtigste „Gegenmittel“ überhaupt ist einfach eine ausreichende Fütterung mit gutem Heu!

Hafer

Er ist besser als sein Ruf! Leider sitzt es in vielen Köpfen immer noch fest, daß Hafer „sticht“! Halte ich persönlich für Quatsch. Hafer hat nicht mehr Energie als vergleichbare Getreide oder das ach so beliebte Müsli. Und er hat auch sonst keine unheimlichen Inhaltsstoffe, die im Kopf des Pferdes die Synapsen knallen lassen. Dafür enthält er wertvolle Vitamine und Schleimstoffe. Es kommt wie bei allem auf die Menge an. Wenn ich einem Pferd, das nicht viel arbeitet und zur Fröhlichkeit neigt pro Mahlzeit einen 5-Liter-Eimer Hafer in die Krippe schütte wird dieser sicher irgendwann seine Wirkung entfalten. Das macht ein anderes energiereiches Kraftfutter in der gleichen Menge aber auch. Ich habe noch nie ein Pferd gehabt, das wirklich erkennbar auf Hafer reagiert hat. Aber, wie gesagt, das ist meine persönliche Erfahrung. Ich kenne viele Leute, die mir vehement das Gegenteil erklären. Einen wissenschaftlichen Beweis für den crazy machenden Hafer gibt es aber meines Wissens nach auch nicht. 

Pellets

Diese gibt es in zahlreichen Ausführungen. Das Problem ist: sie sehen im Wesentlichen alle gleich aus. Pellets halt! Was drin ist kann man nur nach ausführlichem Studium der Beipackzettel herausfinden und selbst dann ist man nicht wirklich schlauer, wenn man keine fundamentalen Kenntnisse von Nährwerten besitzt. Worauf man aber unbedingt achten sollte ist, daß kein Weizen (Weizenkleie ist ok) darin enthalten ist. Es gibt, oder gab es zumindest mal, Hersteller, die gerne noch den billigen Weizen in ihren Pellets verarbeiten, was fatale Folgen haben kann. Weizen hat einen sehr hohen Kleberanteil, der für die Verdauung des Pferdes völlig ungeeignet ist und ein hohes Kolikrisiko beihaltet. Wir selbst hatten vor Jahren mal eine regelrechte Kolikserie im Stall, die einfach nicht erklärbar schien. Bis ich mir die Inhaltsstoffe unserer damaligen Pellets genau angeschaut habe und mit Entsetzen feststellen musste, daß darin nicht nur Weizen, sondern sogar speziell Weizenkleber enthalten war. Nach Wechsel zu einem anderen Futter waren auf geheimnisvolle Weise auch die Koliken wieder verschwunden. Gute Pelletfutter haben aber auch Vorteile. Sie bieten ausreichend Energie und enthalten in der Regel alles, was das Pferd braucht, incl. Vitaminen, Ölen usw., sind also als Alleinfuttermittel (bezieht sich nur aufs Kraftfutter, die Heufütterung ist davon nicht betroffen) durchaus geeignet. Man kann sie auch gut dosieren, d. h. ein zu Speckröllchen neigendes Pferd bekommt einfach eine Schippe weniger, als eines, das zu eingefallenen Wangen neigt! 🙂 Pellets werden in der Regel auch gut gefressen, selbst mäkelige Pferde verputzen sie rückstandslos.

Müsli

Ja, das liebe Müsli! Vor allem bei Reitern sehr beliebt. Sieht lecker aus, oft schön bunt, weil getrocknete Möhren und sonstiges Gemüse mit drin ist und man hat das Gefühl, daß man seinem Pferd was bietet. Letzen Endes ist aber genau das Gleiche drin, wie in den Pellets, nur daß es in diesen geschreddert und gepreßt ist und im Müsli noch mehr oder weniger naturbelassen. Dem Pferd ist es wurschtegal. Bei Pferden „isst das Auge (nicht) mit“! Aber die Reiter lieben es und fühlen sich berufen, ihren Pferden was Gutes zu tun, indem sie ihm Cerialien zufüttern.

Lassen wir sie halt! 🙂

Mash

Mash ist ebenfalls – vor allem bei den Reitern – sehr beliebt. Hat aber auch wirklich gute Seiten. Wir füttern auch Mash. Besteht im Wesentlichen aus Hafer, Weizenkleie und Leinsamen und ist gut für die Verdauung. Sagt man! Stimmt aber auch! Leinsamen hat viele Schleimstoffe, die die Verdauung unterstützen. Kleie hat ebenfalls eine verdauungsfördernde Wirkung und insgesamt mögen Pferde die lauwarme Pampe. Man kann auch wunderbar nicht so leckere Sachen wie Medikamente darin verstecken, die die Pferde aus dem normalen Krippenfutter empört aussortieren.

Rübenschnitzel

Haben eine diätetische Wirkung (kompliziertes Wort). Liefern Energie, da zuckerreich, sind eiweißarm und ballaststoffreich und haben eine leicht abführende Wirkung, was sie besonders geeignet für zu Koliken neigenden Pferden macht. Man sollte möglichst unmelassierte Schnitzel füttern, da die melassierten einen sehr hohen Zuckergehalt aufweisen. Sie eignen sich zur Aufwertung der Heu-Hafer-Ration, vor allem bei schwerfuttrigen oder alten Pferden. WICHTIG! Niemals uneingeweicht füttern!!! Führt zu schrecklichen Schlundverstopfungen. Immer lange genug einweichen, bis sie komplett zerfallen sind, sonst kann das ein böses Ende nehmen.

Möhren und Äpfel

Karotten sind eine bei Pferden sehr beliebte und leckere Aufwertung der Krippenration und können gerne täglich zugefüttert werden. Bis zu 1 kg pro Pferd und Tag sollte unproblematisch sein. Um die in den Möhren enthaltenen fettlöslichen Vitamine verwerten zu können braucht es allerdings Fett, welches man z. B. in Form von einem Schuß Leinöl über dem Futter zufügen kann. Das macht nebenbei auch noch ein schön glänzendes Fell und führt zusätzlich Energie zu.  Bei Äpfeln sollte man etwas geiziger sein. In größeren Mengen können sie zu Durchfall und Verdauungsstörungen führen. Für beide Futtermittel gilt: Vorsicht bei Pferden mit Stoffwechselstörungen wie Cushing, Hufrehe oder sonstigem!

Zu guter Letzt:

Die Menge?

Die Frage nach der zu fütternden Menge an Kraftfutter läßt sich nicht pauschal beantworten.

Ein Sportpferd, das täglich intensiv gearbeitet wird braucht bei gleicher Größe und Gewicht sicherlich mehr Kraftfutter als ein Freizeitpferd, das nur leicht oder unregelmäßig gearbeitet wird. Auch die sogenannten Robustrassen benötigen in der Regel kein oder nur sehr wenig zusätzliches Kraftfutter, da sie meist bessere Futterverwerter sind als Voll- oder Warmblüter und ihre notwendige Energie bereits aus dem Raufutter decken können. Für Pferde mit Stoffwechselstörungen ist Kraftfutter in der Regel tabu, ebenso für die meisten Ponyrassen. Ein weiterer Aspekt ist die Art, wie jedes Pferd individuell angelegt ist. Ist es leichtfuttrig und wird schon mollig, wenn es nur ein paar Körnchen Hafer bekommt oder sieht es aus wie ein Hungerhaken trotz eimerweiser Zufütterung? Hier gilt: „das Auge füttert mit“!

Ich habe es immer mit der Formel gehalten: so viel wie nötig, so wenig wie möglich! Vorrangig in der Fütterung ist IMMER die ausreichende Versorgung mit gutem Heu!

So, mehr fällt mir jetzt nicht mehr ein. Guten Appetit!

Ein Beitrag von Birgit Kanz

Schreiben sie den ersten Kommentar

Name
Email
Ihr Kommentar