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Written by: Marcel Kanz in 12. November 2018

Pferde eindecken – Ja? Nein? Vielleicht? Und Womit?

 

Der Sommer ist vorbei, die Tage werden kürzer, das Wetter (leider) schlechter. Kälte und Nässe halten Einzug und wir holen unsere warmen Winterjacken aus dem Kleiderschrank.

Aber wie halten wir es mit unseren Pferden? Müssen sie auch einen warmen „Wintermantel“ anbekommen oder reicht das natürliche Fell?

Eine allgemeingültige Antwort hierzu gibt es nicht! Es kommt immer auf die Umstände an:

– Hat das Pferd ein von Natur aus sehr kurzes, dünnes Fell?

– Zählt das Pferd eher zur Kategorie „Plüschtier„?

– Steht das Pferd im warmen Stall, Offenstall oder sogar ganzjährig im Freien?

– Wird das Pferd geschoren?

– Wird das Pferd so gearbeitet, daß es schwitzt?

– Werden nur gemütliche Ausritte im Winter gemacht?

Auch diese Fragen kann man nicht pauschal beantworten. Man muß immer die individuellen Gegebenheiten mit berücksichtigen.

Unterbringung, Rasse, Fellzustand, Arbeitspensum usw.

Das Plüschtier

 

Ein zur Kategorie „Plüschtier“ zählendes Pferd, das im Offenstall steht und nur zu gemütlichen Ausritten in den Wintermonaten eingesetzt wird, wird man nicht eindecken müssen. Das Pferd wird durch sein natürliches, dichtes Fell genügend vor Kälte und Nässe geschützt. Die natürliche Temperaturregulation funktioniert bei Pferden hervorragend, weshalb Pferde viel unempfindlicher gegenüber Temperaturschwankungen, aber vor allem gegen niedrigere Temperaturen sind als wir „Weicheier“. 🙂 Auch sollte man ein solches Pferd im Winter nicht übermäßig putzen, um nicht die natürliche Fettschicht, die ebenfalls vor Kälte und Nässe schützt zu entfernen.

Lieber dreckig als kalt ist hier die Devise!

Marke Vollblut

Selten gibt es Pferde, die ganzjährig im Offenstall oder draußen gehalten werden, die trotz der ständigen Temperaturreize kein wirklich dichtes Winterfell entwickeln. Mit trockener Kälte werden auch solche Exemplare gut zurechtkommen, aber wenn sie häufiger Nässe ausgesetzt sind und nicht die generelle Möglichkeit haben, sich dann unterzustellen, können diese Pferde schon mal frieren, da das Fell die Nässe nicht komplett abwehren kann. Solchen Pferden kann man dann mit einer dünnen, ungefütterten Regendecke das Leben erleichtern. Diese Decken halten nicht warm, verhindern aber eine Durchnässung, was Pferde genauso wenig mögen wie wir.

Scheren: Ja oder Nein

Will man sein Pferd auch im Winter sportlich einsetzen und regelmäßig so trainieren, daß es zum Schwitzen kommt gibt es mehrere Möglichkeiten. Ein Pferd, das in einem „warmen“ Stall steht und nicht zu einem teddyartigen Fell neigt, kann man z. B. mit einer dünnen Stall- oder Übergangsdecke ohne oder mit wenig Futter eindecken, damit das Fell dünn bleibt und das Pferd in der Arbeit nicht übermäßig schwitzt. Neigt das Pferd trotz warmem Stall dazu sich auf die nächste Eiszeit vorzubereiten und ein Fell Marke „Grizzly“ auszubilden ist die vernünftigste Lösung das teilweise oder komplette Scheren des Pferdes. Es ist nämlich auch nicht gesund, ein Pferd mit dickem Pelz naß zu reiten und es damit ständig zu überhitzen. Das wäre, wie wenn wir mit dickem Wintermantel Sport treiben würden. Abgesehen davon, daß man ein dickes,  nasses Fell nur sehr langsam wieder trocken bekommt.

Welche Decke ist die Richtige?

Ein geschorenes Pferd muß eingedeckt werden, da der natürliche Kälteschutz in Form des Felles bei ihm entfernt wurde. Hier gibt der Markt alles her, was das Herz begehrt. Gefütterte und ungefütterte Decken in allen Dicken, Materialien und Ausführungen. Outdoordecken, Stalldecken, wasserdicht, atmungsaktiv und so weiter und so fort.

Die Stalldecke

Aber auch ein geschorenes Pferd sollte man mit Vernunft eindecken. Einem Pferd, das in einem Stall steht, der deutlich wärmer als die Außentemperatur ist, kann man mit einer dicken gefütterten Decke keinen Gefallen tun. Steht es aber in einem kalten Stall oder gar in einem gut belüfteten Offenstall oder einer Paddockbox, ist bei einem geschorenen Pferd eine etwas dickere, wärmere Decke womöglich gut angebracht. Hat das Pferd Zugang ins Freie sollte diese auch wasserdicht oder wenigsten stark wasserabweisend sein. Immer ist zu kontrollieren, ob diese Wasserdichtigkeit auch wirklich gegeben ist, denn es gibt nichts Schlimmeres, als mit einer durchnässten Decke in der Kälte zu stehen.

Die Abschwitzdecke

Zum Schluß müssen wir noch über Abschwitzdecken reden. Diese gibt es ebenfalls in den unterschiedlichsten Materialien und Ausführungen und sind generell eine gute Sache.

Egal, ob Plüschtier, Marke Vollblut oder geschoren: hat ein Pferd geschwitzt sollte man es bei kalten Außentemperaturen nicht einfach so in den Stall stellen. Komplettes Trockenreiten scheitert häufig an der dafür anzusetzenden Zeit. Ein Solarium, das den Trocknungsvorgang beschleunigt steht auch nicht überall zur Verfügung. Daher ist eine Abschwitzdecke hier eine sinnvolle und zeitsparende Variante, um den vierbeinigen Partner wieder trocken zu bekommen. Sie sollte auf jeden Fall eine gute Abschwitzfunktion haben, das heißt, die aufgenommene Feuchtigkeit soll zügig an die Oberfläche transportiert werden, wo sie dann verdunsten kann. Mit Hilfe solcher Decken sind die Pferde in relativ kurzer Zeit wieder trocken und können dann entweder „nackt“ oder mit ihren üblichen Stalldecken wieder in ihre Unterkunft entlassen werden.

Wer die Möglichkeit hat, sein verschwitztes Pferd nach dem Reiten in trockenem Sand wälzen zu lassen, beschleunigt diesen Trocknungsvorgang damit noch zusätzlich, da der Sand eine Menge Feuchtigkeit aufnimmt, der dann durch Schütteln aus dem Fell des Pferdes entfernt wird.

Und noch was Kluges zum Schluß!

Für alle Decken gilt eine gemeinsame Regelung: immer nur soviel wie nötig!

Das heißt: ein Pferd ist kein Mensch, der es gern kuschelig warm hat. Häufig sieht man gerade bei Sportpferden das übertriebene Eindecken mit zwei oder gar mehreren Decken. Die Haut kann dann nicht mehr atmen, egal wie atmungsaktiv die Decken sein mögen. Die Pferde schwitzen häufig unter ihren Deckenstapeln, was sie sicher nicht als angenehm empfinden. Deshalb immer darauf achten, daß die Pferde unter der Decke trocken sind und die Decke lediglich als Ersatz für fehlendes Fell oder als Schutz vor Nässe anzusehen ist.

In diesem Sinne: einen fröhlichen Winter!

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