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Written by: Marcel Kanz in 30. Dezember 2018

Schöner Wohnen – Wie Pferde wohnen (möchten)!

In diesem Blog möchte ich Euch einige Wohnmöglichkeiten für Pferde vorstellen, ebenso wie die damit verbundenen Vor– und Nachteile. Diese beruhen ausschließlich auf den durch mich gemachten Erfahrungen in über 30 Jahren Pferdehaltung und sind nicht als allgemeingültige Regeln anzusehen.

Ständerhaltung

 

Nicht gleich schreien!

Gibt es heute (hoffentlich) nicht mehr in Deutschland. Ich will sie nur der Vollständigkeit halber mit aufführen, auch um die nachfolgenden Möglichkeiten in einem noch besseren Licht erscheinen zu lassen. 🙂

Ständerhaltung ist nicht toll und für unsere heutigen Reitpferde, die in der Regel eine Stunde täglich maximal „arbeiten“ müssen wäre sie sicherlich auch schwer zu ertragen. Vor 100 Jahren und auch später noch war es die gebräuchlichste Haltung für Pferde und zu dieser Zeit war sie auch gar nicht soooo schlimm. Die Pferde wurden in der Regel in der Landwirtschaft, im Wald oder beim Militär eingesetzt und waren den ganzen Tag auf Achse. Wenn die Abends in ihren Stall zurückkamen, waren die todmüde und einfach nur froh endlich mal stehen zu können, ihr Heu und ihren Hafer zu knuspern und zu schlafen. Da war es nicht so wichtig, daß sie ein geräumiges Appartement zur Verfügung hatten. Die wollten sich eh nicht mehr bewegen.

Einzelbox

 

Einzelboxen sind auch heute noch die gebräuchlichste Unterbringung für Pferde. Es gibt sie in allen möglichen Ausführungen, vom einfachen Wohnklo mit Kochnische bis zur Luxusvariante mit vorgelagertem Balkon. Auch in der Größe variieren sie erheblich. Früher war die Standardgröße für eine Box ca. 3 x 3 m, heute sind sie in der Regel um einiges größer. Die Haltung in einer Einzelbox hat durchaus auch Vorteile. Für Hengste zum Beispiel! Es mag vielleicht bei einigen Robustpferderassen möglich sein mehrere Hengste zusammen in einem Laufstall o. ä. zu halten, ohne daß die sich gleich an den Kragen gehen, aber ich stelle es mir etwas schwierig vor, unsere heutigen hochgezüchteten Deckhengste einfach mal so zusammen auf die Wiese zu stellen, nach dem Motto: der Stärkste gewinnt! Das würde die Anzahl der zur Verfügung stehenden Deckhengste wohl nachhaltig reduzieren!

Auch ist nicht jedes Pferd so sozial eingestellt, daß es gerne auf Tuchfühlung mit seinen Artgenossen wohnen möchte. Und manche sind auch einfach so unfreundlich, daß die anderen nicht mit ihnen auf Tuchfühlung leben möchten. Es gibt auch Pferde, die haben gerne ihren eigenen Bereich. Die können nur entspannen, wenn sie ihren ganz persönlichen Rückzugsort haben. Gerade rangniedrige Pferde legen sich z. B. oft zum Schlafen gar nicht hin, wenn andere Pferde ohne Trennwand in der Nähe sind. Außerdem gibt es auch unter Pferden Sympathien und Antipathien und ein Pferd, das den ganzen Tag gezwungen ist mit einem solchen Unsympath frei unter einem Dach zu verbringen, ohne diesem wirklich aus dem Weg gehen zu können, wird kein glückliches und entspanntes Leben führen können.

Für kranke Pferde, die sich aufgrund einer Verletzung oder Operation nicht frei bewegen dürfen ist eine Einzelbox eine meist unumgängliche Unterbringungsart, da nur in einer solchen die Bewegungsmöglichkeit kontrollierbar und somit eine sichere Genesung gewährleistet ist.

Einzelboxen haben also durchaus auch Vorteile, die man nicht unterschätzen sollte. Voraussetzung sind natürlich die Mindestanforderungen an Größe, Helligkeit, Luftigkeit und die Möglichkeit zum Sozialkontakt in Form von Gitterstäben und Ausguckmöglichkeiten zur Stallgasse und/oder nach draußen. Eine rundum verrammelte Einzelbox, in der die Pferde wie in einem Knast dahinvegetieren, sollte heutzutage nicht mehr anzutreffen sein.

Auch muß sichergestellt sein, daß die Pferde ausreichend Bewegung außerhalb ihrer Box erhalten in Form von Reiten, Führanlage, Paddock und/oder Weide.

Außenboxen

 

Außenboxen sind in der Regel die „Room-with-a-fiew“-Variante der Einzelbox, die dem Pferd einen freien Blick durch ein nach außen gerichtetes offenes Fenster ermöglicht und ihm somit etwas mehr Abwechslung bietet als eine Innenbox, die nur den Blick in die Stallgasse bietet.

Paddockboxen

 

Die Paddockbox ist die Erweiterung einer Innen- oder Außenbox durch eine vorgelagerte Terrasse. Dieser Paddock ist in der Regel etwa doppelt so groß wie die Box selbst und bietet dem Pferd die Möglichkeit selbständig zu entscheiden, ob es drinnen oder draußen stehen möchte. Im Prinzip eine schöne Sache, allerdings nicht für jedes Pferd. Hat man mehrere Pferde nebeneinander in Paddockboxen untergebracht muß man schon sehr gut entscheiden, welche Zossen man nebeneinander stellt. Denn auch hier gilt wieder: nicht Jeder kann mit Jedem! Und die Umzäunungen der Paddocks bestehen – bei den stabilen Varianten – aus Holz, Stangen oder Panels, manchmal aber auch nur aus Elektrolitzen, was ein nicht zu unterschätzendes Verletzungspotential mit sich bringt. In diesen Litzen bleiben Pferde mit Vorliebe mit den Füßen hängen, wenn sie quietschend nach ihrem Nachbarn ausschlagen, aber auch die stabilen Stangenvarianten halten einige nicht davon ab, ihre Füße darauf abzulegen oder dazwischen zu verheddern. Sei es durch Auskeilen mit der Hinterhand einzufädeln oder beim Steigen mit den Vorderfüssen mal rüberzulangen. Für Pferde, die zum Zanken neigen, sind solche Paddockboxen daher nur eingeschränkt empfehlenswert.

Und noch was ganz Wichtiges: Paddocks, die nicht breiter als eine Box sind, sollten nicht mit Sand, Hackschnitzeln oder sonstigen weichen Materialien ausgestreut sein. Darin wälzen Pferde sich nämlich gern und es besteht ebenfalls die Gefahr, daß sie im Zaun landen, was besonders bei Litzen-Einzäunung zu äußerst unschönen Verletzungen führen kann. Also immer einen festen Untergrund wählen, wie Pflaster, Rasengitter oder Paddockmatten, was die Pferde nicht zum Wälzen animiert.

Gruppenhaltung

Gruppenhaltung gibt es in diversen Varianten. Dies kann z. B. ein großer Laufstall sein, in dem die Pferde frei herumlaufen können. Wird besonders gerne für Stuten mit Fohlen oder auch für Absetzer und Jungpferde genutzt. Ist eine schöne Sache. Die jungen Pferde lernen Sozialverhalten, haben die Möglichkeit zum Körperkontakt (Fellchenkraulen) und haben mehr Bewegungsfreiheit als in einer Einzelbox. Außerdem liegen junge Pferde gerne „im Stapel“, während die älteren Modelle häufig auf „einer Armlänge“ Abstand bestehen.

Die Steigerung des Laufstalles ist der Offenstall. Hier ist an den Laufstall ein großer gemeinsamer Auslauf oder eine Weide angeschlossen, so daß die Pferde die Möglichkeit haben, sich auch im Freien aufzuhalten. Idealerweise sollte dieser Auslauf gut befestigt sein, damit die Pferde auch im Winter nicht im endlosen Schlamm versinken. Wenn man mehrere erwachsene Pferde zusammen in einem Offenstall hält, oder auch wenn die Zusammenstellung der Gruppe öfter mal wechselt ist es sinnvoll, wenn man den Stallbereich in mehrere offene Abteile trennt. Sonst steht „Mr. Protz“ genau in der Mitte des Stalls und läßt keinen Anderen rein und keiner darf ans Futter. Wir haben z. B. einen insgesamt 40 m langen Offenstall in 8 große offene Boxen geteilt und zwischen je 2 Boxen nochmal einen Trennzaun im Paddock gezogen, so daß 4 Einheiten entstanden sind, in denen wir die Pferde so zusammenstellen können, wie sie sich gut vertragen und auch die Rangniedrigen was zu Futtern bekommen.

Offenställe gibt es dann auch wieder in allen möglichen Varianten, die näher zu beleuchten den Rahmen dieses Blogs sprengen würde. Da gibt es Aktivställe mit getrennten Wohn-, Klo- und Essbereichen, welche mit „Hindernissen“, damit die Pferde gezwungen sind, sich zu bewegen usw. und so fort. Auch die Inneneinrichtung der Ställe kennt keine Grenzen. Von der einfachen Bretterbude bis hin zum Kronleuchter an der Decke, über goldene Pferdeköpfe und gekachelte Boxenwände bis hin zur Fußbodenheizung – es gibt Nichts, was es nicht gibt.

Ob der ganze Luxus den Pferden wichtig ist, bleibt dahingestellt. Wenn die die Wahl haben würden sie vermutlich die Bretterbude mit viel Platz und Auslauf dem goldenen Käfig vorziehen.

In diesem Sinne: Fröhliches Wohnen!

Ein Beitrag von Birgit Kanz

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