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Written by: Marcel Kanz in 19. Oktober 2018

„Vor dem Bein sein“ ­– die Umsetzung im täglichen Training

„Das Pferd muss vor dem Bein sein“ – ein Satz, den jeder Reiter kennt und unter dem sich die meisten auch etwas vorstellen können.

 

Eine größere Herausforderung ist es jedoch, dies auch im täglichen Training zu erreichen.

Das Pferd soll sich vor den treibenden Hilfen bewegen“ heißt es in der Fachsprache. Wie schwierig es jedoch sein kann, die Theorie in die Praxis umzusetzen, ist ebenfalls jedem bewusst.

Man kann nur jedem Reiter wünschen, dass er mindestens einmal im Leben ein Pferd geritten hat, dass optimal „vor dem Bein war“. Denn oftmals fängt Reiten dann erst an, Spaß zu machen und der Reiter kann ein Gespür dafür entwickeln, wie es sich „richtig“ anfühlt. Außerdem lässt es den Reiter natürlich immer deutlich besser aussehen. Dieser kann sich auf den Weg und die jeweilige Lektion fokussieren, anstatt damit beschäftigt zu sein, überhaupt vom Fleck zu kommen.

Zwei sehr einflussreiche Faktoren sind zum einen die Mentalität und zum anderen die Ausbildung des Pferdes.

 

Träge Pferde

 

Richten wir unseren Blick auf die Pferde, die etwas träge sind.

Wenn der Reiter diese dazu motivieren möchte, leicht vor ihm her zu laufen, wird er dies mit „drücken“ oder „quetschen“ nicht erreichen.

Zur Veranschaulichung:

Der Reiter drückt beide Beine mit 10 Kilo Kraft ran, damit sein Pferd mehr (oder überhaupt) vorwärts geht. Sehr schnell wird sich das Pferd daran gewöhnen und wieder zurückfallen. Wenn der Reiter jetzt wieder dahin kommen will, wo er war, braucht er schon mindestens 11 Kilo Druck, denn die alten 10 Kilo zeigen ja keine Wirkung mehr.

Das Ergebnis: ein Teufelskreis, der immer schwieriger wird.

Entweder gibt der Reiter fix und fertig in Schnappatmung auf oder er baut sein „Waffenarsenal“ aus, was das Problem langfristig unlösbar machen wird.

Die Lösung?
Impuls, Lob und Tadel sind entscheidend! Beine weg, kurzer Impuls und dann je nach Reaktion Lob oder Tadel!

In der Praxis:

Der Reiter lässt sein Pferd laufen. Sobald er etwas „mehr“ möchte, gibt er einen kurzen Impuls am Bein und nimmt das Bein (den „Druck“) danach wieder komplett weg.
Spürt das Pferd dies überhaupt?
Definitiv!
Ein Pferd spürt eine Fliege am Fell, also ganz sicher euren Absatz oder den Sporen.

 

Ignorante Pferde

 

Jetzt kommen aber die „Kandidaten“, die nicht die größte Motivation haben und herausgefunden haben, dass man das auch ignorieren kann. Der Reiter muss also nach dem ersten (!) Impuls sehen, wie sein Pferd reagiert.
Bekommt er eine schlechte oder keine Reaktion, gibt er direkt einen deutlichen zweiten oder auch dritten Impuls, solange, bis er die gewünschte Reaktion bekommt. Sobald das Pferd wie gewünscht reagiert, wird gelobt.

Im Optimalfall erhält der Reiter diese Reaktion direkt auf die erste Hilfe/Impuls und kann direkt loben. Dann wartet er, bis das Pferd wieder zurückfällt oder er noch mehr möchte und gibt aus den „Null-Kilo“-Kraft im Bein wieder einen kleinen Impuls.
Reagiert das Pferd, wird es gelobt.
Erhält der Reiter keine oder eine schlechte Reaktion, muss er nachhaken.
Sobald das Pferd wie gewünscht reagiert, erfolgt auch hier sofort das Lob.

Beherzigt man diese Ratschläge, wird das „vor dem Bein sein“ deutlich besser klappen.
Die Pferde lernen schnell, dass sie sich selbst viel wohler fühlen, wenn sie aufmerksam und direkt auf den ersten Impuls reagieren, als wenn der Reiter jedes Mal nachkartet.

Ganz wichtig dabei: Konsequenz!

Ein Pferd neigt immer dazu, mal nachzufragen, ob man nicht doch wieder in das alte Muster zurückfallen könnte: der wichtigste Moment!
Wer zehn solche Situationen hat, es neunmal richtigmacht und nur einmal falsch,
der muss damit leben, dass die neunmal richtig nichts mehr wert sind.

Viel Spaß beim Üben!

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